Positive Bilanz in Wittenberg: Weltausstellung Reformation geht zu Ende

Über 25.000 Besucherinnen und Besucher begrüßte die Evangelische Landeskirche in Württemberg seit dem 20. Mai in ihrer Halle „Württemberg in Wittenberg“ zur Weltausstellung Reformation. Am 10. September geht die Ausstellung zu Ende.

Unter dem Motto „Tore der Freiheit“ hat sie 16 Wochen lang in der Lutherstadt Wittenberg stattgefunden. Kirchen aus aller Welt, internationale Institutionen, Organisationen, Initiativen und viele Kulturschaffende präsentierten in Wittenberg ihre Sicht auf die Reformation.Trotz des insgesamt schwachen Andrangs bei der Weltausstellung entwickelten sich die Besucherzahlen des württembergischen Auftritts gegen Ende mit 600 Besuchern pro Tag sehr gut und brachten die Halle damit an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Über 10.000 verspeiste Maultaschen waren aus gastronomischer Sicht schwäbischer Exportschlager.

Bewährtes und Innovatives kamen in der Württemberger Halle zusammen

Im Zentrum der Württemberger Halle standen drei große Ausstellungen zu den Themen Diakonie, Bildung und Mission. Neben diesen drei Schwerpunkten gab es eine ständige Ausstellung mit dem Titel „Württemberg wird evangelisch“, bei der unter anderem das „bibliorama – das bibelmuseum stuttgart“ einen Teil der Präsentation „Lutherbibel 2017 – Making of“ gezeigt hat. „Niederschwellige Verkündigung findet hier statt und gleichzeitig ist ‚Württemberg in Wittenberg‘ ein Experimentierfeld für die Kirche der Zukunft, die da hingeht, wo die Menschen sind oder wohin die Menschen kommen“, sagte Landesbischof Frank Otfried July bei seinem Besuch.

Das württembergische Programm fand in einer 300 Quadratmeter großen Halle in der Wittenberger Altstadt statt, in der in der ehemaligen DDR auch die Vorbereitungen der Friedensaktion „Schwerter zu Pflugscharen“ stattfanden. Hier wurde das Schwert vorgeschmiedet, das beim Kirchentag 1983 im Lutherhof fertiggestellt wurde.

Neben der Schmiede und den Werkzeugen, die noch immer in der Halle zu sehen sind, gab es einen weiteren Eye-Catcher: horizontal wachsende Bäume und an der Wand hängende Weinberge. Das Konzept stammt von der Stuttgarter Biologin Dr. Alina Schick. Angesichts der Feinstaubbelastung in den Großstädten und den damit einhergehenden Fragen griff die württembergische Landeskirche damit das Thema der Stadtbegrünung auf. „Wir als Kirche werden in einem unkirchlichen Kontext wahrgenommen und das hat Auswirkungen auf die Gesprächspartner. Denn die eigentliche Wirkung unserer Halle entstand durch die vielen Gespräche“, so Jürgen Kaiser, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses Stuttgart, das den Auftritt organisierte.

Heilsamer Prozess

„Die Weltausstellung hat gezeigt, dass der Protestantismus in Deutschland nicht mehr selbstverständlich ist, erst recht nicht im Osten“, so Kaiser weiter. Scheinbare Selbstverständlichkeiten im protestantischen Selbstbewusstsein seien hier einfach zerbröselt. „Das ist jedoch ein ganz heilsamer Prozess und stellt eine alte Frage wieder in den Mittelpunkt: Wie kann ich weltlich von Gott reden?“, erklärt Kaiser.

Die Württemberger Halle lieferte hierfür Ansätze: Die letzte Ausstellung, die sich mit der Geschichte der Basler Mission befasste, wird ab November im Wittenberger Haus der Geschichte gezeigt. Und da die Württemberger Halle von den Wittenbergern als Veranstaltungsort so gut angenommen wurde, hat sich nun eine örtliche Arbeitsgemeinschaft gebildet, um über eine weitere Verwendung der Halle nach dem Ende der Weltausstellung nachzudenken. 

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