Schwerter zu Pflugscharen

Die alte Schlosserei in der Wittenberger Altstadt ist derzeit Ausstellungsort der württembergischen Landeskirche. Neben der industriellen Ausstrahlung der Gebäude wollen die Veranstalter vom Evangelischen Medienhaus auch die Geschichte des Ortes aufgreifen.

schwarz-weiß-Bild mit Mann, der Schwert umschmiedet, während ihm viele zuschauen

© Dirk Eisermann

Stefan Nau setzte mit dem Pflugscharschwerrt ein Zeichen für den Frieden.

Pflugscharen für den Frieden

Im Rahmen des Reformationsjubiläums fand der Deutsche Kirchentag in diesem Jahr in Wittenberg statt. Zuvor war die Veranstaltung bereits 1983 zu Gast in der Lutherstadt, die damals Teil der DDR war. 2000 Bürger kamen hierfür trotz aller Hindernisse des totalitären Staates in Wittenberg zusammen.
Der verantwortliche Pfarrer Friedrich Schorlemmer wollte bei den Veranstaltungen - frei nach den Prophetien von Micha und Jesaja - unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ zum Frieden aufrufen. Die provokante Botschaft rechtfertigten die ostdeutschen Christen zunächst mit dem gleichnamigen, russischen Denkmal. Dieses stellt einen Schmied dar, der ein Schwert umschmiedet und wurde der UNO von Russland nach dem Zweiten Weltkrieg geschenkt.  Trotzdem verbot das DDR-Regime das Symbol als Zeichen des Kirchentags. Doch Pfarrer Schorlemmer fand einen anderen Weg zur Demonstration der Botschaft.

Württemberger Halle auf dem Boden friedlicher Revolution

Gemeinsam mit dem Kunstschmied Stefan Nau organisierte der Pfarrer am 24. September eine spektakuläre Aktion im Lutherhof. Vor einem gebannten Publikum schmiedete Nau ein Schwert zu einer Pflugschar um. Aus Angst vor einem Einschreiten der Staatssicherheit brachte Nau das Schwert bereits vorbereitet mit. In der Schmiede, die die württembergische Landeskirche jetzt angemietet hat, fertigte er zuvor das Schwert und bereitete es auf den pazifistischen Protest vor. Aufgrund der Präsenz der Westpresse und dem prominenten Gast Richard von Weizäcker griffen die Behörden allerdings nicht ein. 
Das Bild aus dem Lutherhof ging dank der westlichen Presse um die Welt und das Symbol des Pflugscharschwerts entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Zeichen der Friedensbewegung in der DDR. Stefan Nau bezahlte für seine mutige Handlung mit persönlichen Repressionen und dem wirtschaftlichen Ruin seines Betriebs – vermutlich ein Werk der Staatssicherheit. 
Die württembergische Landeskirche will während ihrer Ausstellung den Ereignissen vor 33 Jahren gedenken.

DDR Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen"

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